Das Afelskreuz bei Katzwinkel

Alfons Poss   

(Artikel im Heimatjahrbuch 1977 des Kreises Daun)

Rund eineinhalb Kilometer nordwestlich von Katzwinkel (erreichbar über den  Wanderweg 7), etwas mehr als vier Kilometer südlich von Kelberg, auf der Höhe zwischen Uess- und Lieserbach, steht im Walde das aus schweren Eichenbalken gefügte Afelskreuz. Seine Höhe beträgt stattliche 3,30 Meter. Der Querbalken, in den in großen lateinischen Lettern der Name des Kreuzes und rechts und links davon die Leidenszeichen des Heilandes, rechts die Dornenkrone und drei Nägel, links das Ysoprohr mit dem Essigschwamme und die Lanze, eingemeißelt sind, misst 1,80 Meter. Über dem Querbalken lesen wir die Jahreszahl 1231, unter dem Balken die Jahreszahl 1931. Der auf dem oberen Ende des Schaftes innerhalb eines Rechtseckes als Relief ausgearbeitete Kelch mit der heiligen Hostie erinnert an das Letzte Abendmahl. Das Herz mit Flammenzeichen und Kreuz unter der Zahl 1931, ebenfalls in einem Rechtseck, versinnbildlicht die aufopfernde Liebe Jesu zu den Menschen.

Afelskreuz-Kap-Kre

Die Jahreszahl 1231 ist legendär. Sie ist aber Symbol vieler Jahrhunderter der Geschichte unserer Heimat. Die Zahl 1931 weist uns auf das Jahr hin, in dem das jetzige Kreuz errichtet wurde. Es nimmt den Platz eines vordem vermoderten Kreuzes ein, dessen Name „AFELSKREUZ" in dem heutigen Kreuze weiterlebt. Das im Jahre 1931 errichtete Kreuz ist eine Stiftung von Dr. Joseph Esten, der viele Jahre als Arzt in Kelberg tätig war. Geschaffen und gestaltet wurde es von den Vater und Sohn Johann und Peter Michels aus Kelberg. Während einer Dauer von 45 Jahren hatte das Kreuz durch Witterungseinflüsse größere Schäden erlitten. Nach einer gründlichen, sehr gelungenen Instandsetzung steht es seit dem Karfreitag dieses Jahres (1976), durch Beton und Eisen fest verankert, wieder würdig an seinem Platze, der durch eine Holzumzäunung und Sträucheranpflanzungen noch eine besondere Verschönerung erfuhr.

Wir nehmen Platz auf der Bank am Wegrande gegenüber dem Afelskreuz. Unsere Gedanken eilen zurück in längst vergangene Zeiten.

Entlang des Höhenzuges zwischen Uess- und Liesertal siedelten im letzten Jahrtausend

vor Christus die Menschen der Keltenzeit. Die Hügelgräber im Räume Mehren und längs der von dort nach Norden sich in unser Heimatgebiet erstreckenden Höhen bezeugen eine keltische Wegeführung über den Bergrücken unmittelbar vorbei an der Stelle, an welcher heute das Afelskreuz steht. Eine Anzahl Hügelgräber sind in den nahen Waldgebieten und bei Katzwinkel. Vier stattliche Grabflügel befinden sich auf der bewaldeten Höhe zwischen Mosbruch und Kelberg, etwa 200 Meter östlich der Landesstraße 101. Auf der Höhe zwischen Uess und Horperath wurde im Jahre 1955 ein Urnenfriedhof aus der Zeit um 500 vor Christus aufgedeckt. Ringwälle der Keltenzeit krönen die Gipfel des Hummerichs, des Hochkastels und des Hochkelberges.

Afelskreuz-Kapelle

Zahlreicher noch sind die Spuren, welche die Römer, die unsere Heimat in den ersten vier Jahrhunderten nach Christus besetzt hielten, hinterlassen haben. Die bereits erwähnte keltische Wegeführung über die

Wasserscheide zwischen Uess und Lieser wird im Volksmunde heute noch als Römerstraße bezeichnet, ein Zeugnis, daß sie von den Römern benutzt und wohl auch in einen besseren Zustand versetzt wurde. Römische Legionäre und Kaufleute zogen den Höhenweg von Trier nach Köln. Bemerkenswert ist, dass beide Städte vom Afelskreuz gleichweit — rund 90 Kilometer — entfernt sind. Die Römer schufen sich in unserem Raum ein vorzüglich ausgebautes Wegenetz, das auch heute noch relativ gut erkennbar ist. Knotenpunkt mehrerer Wege und Straßen der Römerzeit war Hörschhausen. Von Hörschhausen führte auch ein Weg nach Bongard, welcher die Höhenstraße zwischen Uess und Lieser dort querte, wo heute das Afelskreuz emporragt. Bodenfunde, die besonders in jüngerer Zeit gemacht wurden, bezeugen eine unerwartet große Zahl römischer Siedlungen im oberen Uess- und Liesergebiet. Auf dem Hochkelberg und dem Hochkastei (Name!) errichteten die Römer Beobachtungs- und Befestigungsanlagen. Besonders erwähnenswert ist der römische Tempelbezirk auf der Höhe zwischen Uess und Horperath, der nachweislich den Platz einer Kultstätte der Keltenzeit einnahm. Die Tempelanlage, an die der bereits erwähnte vorgeschichtliche Urnenfriedhof unmittelbar angrenzte, wurde im Jahre 1936 durch das Landesmuseum Bonn freigelegt. Aus dem Horperather Tempelbezirk stammt wohl auch der in Uess aufbewahrte Votivstein, der uns die Namen des keltisch-römischen Götterpaares Mercurius Excingiorix und Rosmerta überliefert hat.

Im Jahre 1931, als das Afelskreuz erneuert wurde, versammelten sich zur feierlichen Einweihung am Sonntag, dem 12. Juli, gegen fünf Uhr nachmittags mit ihren Seelsorgern eine auf achthundert geschätzte Anzahl Gläubige der Kirchengemeinden Uess, Kelberg und Hilgerath. Zu Beginn der Feier wurde gemeinschaftlich das Lied „Nun bitten wir den Heiligen Geist" gesungen. Nach der Festpredigt von Pfarrer Schuster, Uess, und der Einsegnung des Kreuzes durch Pfarrer Kops, Kelberg, legte Dr. Joseph Esten im Namen der Ortsgruppe Kelberg des Eifelvereins, deren Vorsitzender er war, einen Kranz nieder mit der Inschrift:

Kreuz des Friedens, schirme du mit deiner Macht unser Eifelvolk und unsere Eifelheimat; hilf uns in aller Not!

Unter der Leitung von Pfarrer Labbe, Beinhausen, sang nun der Kirchenchor Hilgerath das Lied „O heilig Kreuz, sei hoch gebenedeit" von Kalestrina. Mit gemeinsamen Gebeten und Gesängen wurde die eindrucksvolle Weihehandlung beschlossen. Man erinnerte sich noch einmal der Prozession, welche die drei genannten Pfarreien in den vergangenen Jahrhunderten gemeinsam am Oktavtage des Fronleichnamsfestes veranstalteten. Die Prozession mit dem Allerheiligsten führte von Hilgerath zum Afeskreuz, von dort über die Höhe nach Süden zum Kreuz „Auf Schloscheid", dann weiter zum Kreuz im Walddistrikt „Nikolausheck" nördlich von Sarmersbach und jetzt nach Hilgerath zurück. An den genannten Kreuzen wurde der Segen gespendet. Manche der Älteren erinnern sich noch, daß in dem Schafte des früheren Afelskreuzes eine Nische eingehauen war, in welche die Monstranz hineingestellt werden konnte. Es ist überliefert, dass die Prozession einen ganzen Tag in Anspruch nahm.

Seit frühgeschichtlichen Zeiten wallfahren die Pilger aus den Orten des unteren Ahrgebietes und des Bonn-Kölner Raumes die alte römische Heerstraße entlang zum Grab des hl. Apostels Matthias nach Trier. Besonderen Auftrieb erhielten die Wallfahrten im 12. Jahrhundert, als der bleierne Sarg des Apostels erneut aufgefunden wurde. In kleineren Gruppen kommen die Pilger zu Fuß Jahr um Jahr in der Zeit zwischen den Festen Christi Himmelfahrt und Pfingsten durch die Eifel. Der Pilgergruppe voran wird das Pilgerkreuz getragen. Der Brudermeister mit dem Brudermeisterstab waltet als Vorbeter. Das Afelskreuz ist Stätte der Rast und des besonderen Gebetes. Als Zeichen ihrer Bußgesinnung flechten die Pilger kleine Kreuze aus Tannengrün und legen sie am Fuße Afelskreuzes nieder. Die St. Matthiaswallfahrer nehmen die weiten und beschwerlichen Wege in vorbildlich tiefer Gläubigkeit und Frömmigkeit auf sich und eifern so den Vätern und Vorvätern nach. Die örtlichen St.-Matthias-Bruderschaften des unteren Ahrgebietes und des Raumes Bonn-Köln sind zusammengeschlossen in der St.-Matthias-Wallfahrts-Bruderschaft Bezirk Mittelrhein mit dem Hauptsitz in Bad Godesberg. Außer diesem Bezirk bestehen nördlich der Mosel noch der Bezirk Eifel mit dem Hauptsitz in Jünkerath und der Bezirk Niederrhein mit der Zentrale in Mönchen-Gladbach. Der Weg, der die Wallfahrer zum Apostelgrab nach Trier führt, hat im Volksmund den Namen „Pilgerstraße" erhalten. Von den Bewohnern der umliegenden Orte wird der Weg am Afelskreuz vorbei meist „Ferkelstraße" genannt. Diese Benennung entstammt noch der Zeit, da Bauern und Händler Rinder und Schweine am Afelskreuz vorbei zu den Märkten nach Kelberg oder Mehren brachten.

Die weißen Dreiecke an den Bäumen und Wegesteinen kennzeichnen den Hauptwanderweg Nr. 2 des Eifelvereins von Brühl nach Trier. Dieser Weg ist auch unter dem Namen „Karl-Kaufmann-Weg" bekannt. Mit dieser Bezeichnung werden die hohen Verdienste Dr. Karl Kaufmanns gewürdigt, die dieser, ehemaliger Landrat der Kreise Malmedy und Euskirchen und Vorsitzender des Eifelvereins, sich um die Eifel und den Eifelverein gemacht hat. An einer Fichte am Afelskreuz ist ein Schild angebracht auf dem die Namen der Hauptorte, die der Wanderweg des Eifelvereins berührt, zu lesen sind. Dazu sind die jeweiligen Entfernungen angegeben. Südlich von Darscheid weicht der Eifelwanderweg von dem Wege, den die St. Matthiaspilger nach Trier nehmen, ab.

Geht man vom Afelskreuz acht Schritte nach rechts und dann vier Schritte in die junge Fichtenpflanzung hinein, findet man die Grundmauern des Heiligenhäuschens, das einst von der Familie Mayer aus Katzwinkel zu Ehren der hl. Brigitta, der Schutzheiligen des Viehes, errichtet worden war. Die 57 Zentimeter hohe Holzstatue der hl. Brigitta, die in dem Heiligenhäuschen stand, wurde vor etwa 100 Jahren, als das Heiligenhäuschen zerfiel, von Johann Joseph Mayer nach Katzwinkel gebracht. Dort wurde die Statue im Hause der Familie Mayer aufbewahrt, bis Pfarrer Schuster sie vor etwa 50 Jahren nach Uess holte, wo sie sich noch heute befindet. Bei Erkrankungen des Viehes unternahmen die Bewohner von Katzwinkel und aus den Orten der Umgebung private Bittgänge zu dem Heiligenhäuschen am Afelskreuz. Die Innenmaße des Heiligenhäuschens, dessen Grundmauern im Jahre 1950 freigelegt wurden, betrugen 1,60 Meter mal 1,20 Meter. Es wird erwogen, das Heiligenhäuschen zu Ehren der hl. Brigitta wieder neu aufzubauen.

Bis ins vorige Jahrhundert und teilweise noch bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts dehnten sich vom Afelskreuz weite Heidegebiete mit Wacholderbüschen und Kiefern aus. Sie erstreckten sich nach Beinhausen und Neichen hin, über die Höhe nach Hilgerath, hinunter nach Sarmersbach, weit bis nach Gefeil und Darscheid, hin nach Katzwinkel, Hörschhausen und Uess und in Richtung Mosbruch. Die Heidelandschaft wurde mit Fichten, dem „Preußenbaum", bepflanzt oder in Acker- und Weideland umgewandelt. Bemerkenswert ist, daß die Umgebung des Afelskreuzes zur Sommerzeit eine reiche Fülle der köstlichen Heidelbeeren bot, die ungezählte Sammler von nah und fern anlockten.

Den Namen „Afelskreuz" hört man zuweilen mit „Eifelkreuz" gedeutet. Ein im Jahre 1845 geborener und im Jahre 1929 verstorbener Mann aus Neichen bezeichnete das Afelskreuz als „Ablasskreuz". Ablasskreuze gab es in früherer Zeit in größerer Zahl. Die Pfarrchronik in Beinhausen berichtet, daß im 17. Jahrhundert eine der drei Bittprozessionen von Hilgerath zum Ablasskreuz führte. Der Standort des Kreuzes ist nicht genannt. Ferner überliefert die Chronik, daß um 1700 die Markusprozession von Hilgerath zum Ablasskreuz beim Ulmen gehalten wurde. Interessant ist, daß die Stelle des Heiligenhäuschens am südwestlichen Ausgang von Mehren „Am Afelskreuz" heißt. Bisher war nur zu erfahren, daß neben dem Heiligenhäuschen mit einem Schmerzensbild Mariens früher ein kleineres Steinkreuz gestanden hat. An der Stelle vorbei gehen die St. Matthiaswallfahrer über Udler weiter gegen Trier zu. Ein Steinkreuz mit dem Namen „Afelskreuz" steht auch in Esch bei Stadtkyll. Eine Gruppe der St. Matthiaspilger aus dem Räume Mönchen-Gladbach, die den Weg nach Trier durch die Westeifel nehmen, übernachtet in Esch. Nach dem Erreichen des Ortes begeben sich die Pilger zu dem Kreuze und beten eine Litanei. Statt der kleinen Kreuze aus Tannenzweigen, welche die Wallfahrer am Afelskreuz bei Katzwinkel niederlegen, werden in Esch kleine Kränze, die ebenfalls aus Tannengrün geflochten sind, niedergelegt. Wie in Mehren deutet man auch in Esch den Namen „Afelskreuz" mit „Ablasskreuz". Weitere Nachforschungen um die Namensdeutung bleiben wohl angezeigt. Vorerst sollte man die Deutung „Ablasskreuz" gelten lassen.

Viele der alten Stein- und Holzkreuze sind zerfallen oder vermodert. Manche fielen der Achtlosigkeit oder einer Schandtat zum Opfer. In neuerer Zeit sind Kreuze auch zum Diebesgut geworden. Wenn nicht in der Bevölkerung die Erinnerung an ein verschwundenes Kreuz wachgehalten wird, kündet vielleicht noch eine Chronik oder eine ältere Karte den früheren Standort und Namen des Kreuzes. Es verdient besonderes Lob, wenn alte Kreuze und auch Heiligenhäuschen instandgehalten werden oder Zerfallenes wieder neu errichtet wird. An dieser Stelle sei all denen gedankt, die an der gründlichen Instandsetzung des Afelskreuzes mitgewirkt haben und so mithalfen, daß ein sehr bedeutungsvolles Wahrzeichen unserer Heimat erhalten blieb.

An der siebenfach verzweigten Wegespinne am Afelskreuz herrschte einst ein lebhafter Verkehr von Fußgängern und Fuhrwerken. Vom neuzeitlichen Straßenverkehr blieb die Höhe am Afelskreuz unberührt. Nur von Katzwinkel aus führt ein geteerter Weg zur Höhe hin. Das neuhergerichtete Kreuz lädt die Bewohner der umliegenden Orte und die, welche als Gäste hier weilen, zum Besuche ein. Die Stille des Ortes und seiner Umgebung bringt Erholung und Entspannung vom rastlosen Alltag. Besinnliches Verweilen an der historischen, altehrwürdigen und gesegneten Stätte schenkt Ruhe und Frieden.


Im Mai 2004 wird von der Adenau ein Gedenkstein und eine Bank gegenüber der Kapelle aufgestellt.

Gedenkstein


Pünktlich zu den Wallfahrten Anfang Mai wurde das Afelskreuz durch Katzwinkler Bürger im restauriert. Es strahlt seit dem 04. Mai 2006 an alter Stelle in neuem Glanz.

Afelskreuz-Kap-Kre


Panoramaaufnahme vom Afelskreuz

Panoramaaufnahme vom Afelskreuz

   

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